Über das Arcade
- Selbst gebautes und konstruiertes Gehäuse aus Holz
- Fancy LED-Beleuchtung durch mehrere adressierbare LED-Strips und WLED
- Komplett im Alien-Style inkl. selbst designter Decals
- Alter Gaming-PC mit GTX 1070 und einer älteren Intel-CPU sowie 16 GB RAM
- Klassische Arcade-Buttons und Joystick, um auch “normale” Arcade-Titel zu spielen
- 2x Retroshooter RS Reaper Light-Guns inkl. Fußpedal und Force Feedback für Light-Gun-Games
- 2 Gamepads im Xbox-Style für Rennspiele usw.
- Launchbox inkl. BigBox als Verwaltungssoftware für die Games
Vorwiegend gebaut für Light-Guns, wollte ich natürlich auch die Möglichkeit haben, andere klassische Retro-Games zu spielen.
Projektumfang
Kabinett
Ich wollte dieses Projekt diesmal so professionell wie möglich angehen und möglichst nicht in den Baumarkt fahren, Holz kaufen und dann iwie drauflospfuschen wie sonst.
Deshalb entschied ich mich dieses Mal ausnahmsweise, mich an den Rechner zu setzen und mich mal mit CAD zu versuchen, um eine möglichst maßstabsgenaue Zeichnung des Arcades zu zeichnen, BEVOR ich anfange, Holz zu kaufen und zusägen zu lassen. Ich sag mal so: Das war ausnahmsweise mal eine relativ schlaue Idee und ich hab gleichzeitig endlich mal gelernt, dass 3D-CAD bei einfacheren Formen eigentlich gar kein so großes Hexenwerk ist.
Ich hab mich dran erinnert, dass man für private Zwecke ja Autodesk Fusion kostenlos nutzen kann, also hab ich mir das mal installiert und ein paar Tutorials angesehen.
Ich hatte durch ein Video von Retro Ralph (ein YouTuber aus den USA, den ich ab und zu mal schaue) schon eine relativ klare Vorstellung davon, wie mein Arcade aussehen soll. Wie bereits gesagt sollte der Fokus auf Light-Gun-Games gesetzt werden. Das entsprechende Video, das ich meine und in dem ein ganz ähnliches Kabinett gezeigt wird, wie ich es mir letztlich gebaut habe, findet ihr hier: Retro Ralph: Ultimate Lightgun Arcade by Xtreme Gaming Cabinets!
Wie dem auch sei: Nachdem ich da ein bisschen am Rumprobieren war in Fusion, kam dann doch irgendwann mal was Brauchbares bei raus.

Die fertige 3D-Konstruktion in Autodesk Fusion (sogar schon mit Decals :D)
Ich habe eigentlich alle Holzteile innen und außen nach verfügbaren Teilen aus meinem lokalen Baumarkt “designt” und das meiste dann auch dort zuschneiden lassen. Deshalb hab ich auch diese relativ einfache Konstruktion gewählt.
Als Material kam vor allem klassisches 19 mm MDF (für die Seitenteile als auch für den Bereich, wo später die Buttons und der Joystick sein sollten) zum Einsatz. Für die anderen Platten hab ich mich für 12 mm Spanplatten entschieden, was ich heute so definitiv nicht mehr machen würde, da das Material schon sehr dünn ist.
Die Seitenteile waren für mich problematisch. Warum? Weil ich kein gescheites Werkzeug bei mir zuhause hatte, um 19 mm MDF vernünftig zu sägen und vor allem um die Rundung reinzubekommen. Da kommt man mit ner Billo-Stichsäge halt nicht weit. Wie gut, dass ich im Flippermuseum relativ gut vernetzt bin und da lauter andere Irre wie ich rumrennen, und so konnte ich dank Markus ausm Flippermuseum die Teile vernünftig sägen (mit seiner professionellen Hilfe).
Ich hab dann nach und nach alles zusammengebaut (leider hab ich von den einzelnen Schritten keine Bilder mehr, aber man erkennt auf den Bildern, wie ich das gemacht habe. Im Prinzip auf die Seitenwände Kanthölzer geschraubt und geleimt, auf die dann die anderen Bretter draufgeschraubt wurden.) und das hat wirklich gepasst und sah auch noch ziemlich geil aus. Ich war begeistert. Ihr müsst euch vorstellen: Das war das erste Mal, dass ich sowas gemacht hab. Also 3D-Design und sägen und dann zusammenbauen usw. Das war ein wirklich tolles Gefühl, sowas mit den eigenen Händen zu erschaffen “aus dem Nichts”. Vor allem als Informatiker, wo man ja meistens nur vorm Rechner rumgammelt.

Die zusammengebaute Holzkonstruktion

Die zusammengebaute Holzkonstruktion inkl. Test, ob die erste Hardware passt
Die entsprechenden Decals mit den Aliens hab ich mir natürlich im Internet besorgt. Soll ja kein kommerzielles Produkt werden, also ist das schon okay ;). Mit KI hab ich die Files etwas hochrechnen lassen, da die Auflösung scheiße war, und dann in Photoshop eben richtig angepasst, damit ich das bei Salierdruck drucken lassen kann. Hier auch ein Tipp vom guten Markus ausm Flippermuseum: Lasst einfach die Maximalbreite bei den Sachen drucken, dann wirds insgesamt günstiger und man kann den Free Space noch mit anderem Zeugs vollklatschen (bspw. mit Decals für Markus’ aktuelles Arcade-Projekt :D)

Ein stolzer Michi, dessen teure Decals gut raus- und angekommen waren.
Elektronik, Beleuchtung, PC und Peripherie
Die Elektronik war bei dem Ding eigentlich gar nicht so schwer. Klar, ich wollte LED-Beleuchtung einbauen, damit das Ding nachts auch strahlt, und da ich adressierbare LED-Strips geiler finde als normale, dachte ich mir, dass ich einfach noch einen ESP32 mit WLED einbaue und alle LED-Strips adressierbar mache.
Im Prinzip müsst ihr euch vorstellen, dass das Kabinett hinten einen Kaltgeräteanschluss für die 230 Volt bekommen hat, und das wird dann eben aufgeteilt auf ne Mehrfachsteckdose im Kabinett und von da gehts an PC, TV und Netzteil für LED-Beleuchtung und ESP32 usw. Relativ unspektakulär also.
Hier ein Video vom ersten LED-Test:
Ich musste innendrin letztlich nur bissle Kabelmanagement betreiben, damit die Kabel nicht wie wild da rumfliegen und man mal wieder nix blickt oder einen der Schlag trifft, wenn man die Kiste mal aufmacht. Ist mir mal besser, mal weniger gut gelungen… Am Ende siegt halt manchmal dann doch noch das “Ach, sieht ja nachher eh niemand” :D
Die ganze Peripherie wie Guns, Gamepads usw. musste einfach an den PC angeschlossen werden, den ich btw. auch direkt einfach mitsamt seinem Gehäuse in das Kabinett eingebaut habe. Warum? Naja, weil ich es konnte. Ausnahmsweise hatte ich da drin mal so richtig Platz. Theoretisch könnte ich das noch als Wohnzimmerschrank nutzen, das Teil.
Apropos Guns: Die Retroshooter Reaper Guns sind wirklich klasse. Sehr hochwertig produziert und fühlen sich auch wirklich super an! Da ja moderne Bildschirme nicht mehr wie alte Röhren-TVs kompatibel zu den alten Light-Guns sind, muss man am Bildschirm bei den Retroshooter Guns noch so Infrarot-Sensoren anbringen. Das Ganze funktioniert nachher dann im Prinzip so, dass vorne in der Gun eigentlich nur ne Kamera drin sitzt, die anhand der 4 Sensoren die Abstände berechnen kann und “wohin sie blickt”, und für Windows dann einfach ne Maus emuliert. Einfacher gehts eigentlich nicht. Naja, sagen wir so: Bis zu dem Zeitpunkt, wo man wieder mit Software und Game-Emulation rumhantieren muss, aber da hab ich das Gefühl, dass eh immer alles ein Problem ist.
Blieben eigentlich nur noch die klassischen Arcade-Controls. Da hab ich mir tatsächlich im Internet so “Bohrschablonen” für die gängigen Arcade-Knopf-Layouts besorgt und die dann eben bei mir übertragen und entsprechend gebohrt und die ganzen Knöpfe und Joysticks eingebaut und verkabelt. Dazu hab ich mir auf AliExpress einfach ein entsprechendes Arcade-Set besorgt.
Ach, und ein paar Worte zum Marquee (das ist im Prinzip das beleuchtete Banner oben bei Arcade-Automaten): Ich hab zunächst versucht, das mit Plexiglas selber zu machen und zu bekleben. Das war ein großer Fehler. Mit meinen Geräten war das vernünftige Schneiden von Plexiglas ausm Baumarkt desaströs. Ich hab mir das Ganze also auch einfach bei einer vernünftigen Druckerei drucken lassen und dann sah das auch vernünftig aus.

Beklebtes Kabinett mit ersten Installationen wie Lautsprecher, TV usw.

Kabinett mit Arcade-Buttons und Joystick sowie dem extra bedruckten Marquee mit Aliens-Arcade-Schriftzug
Um die Guns noch vernünftig am Arcade befestigen zu können, hab ich noch Halter mit ABS gedruckt, damit sie auch stabil bleiben. Die Dateien habe ich tatsächlich bei Etsy gekauft und die sind mega! Retroshooter Reaper Mounts

3D-gedruckte Halter für die Retroshooter Guns
Software
Auf dem PC im Arcade läuft ein ganz normales Windows 11 und als “Game-Management”-Software habe ich mich für Launchbox inkl. BigBox entschieden, weil ich dazu noch von vor gefühlt 100 Jahren eine Lizenz hatte.
Es gibt hier ja mittlerweile viele Möglichkeiten, aber ich bin mit Launchbox sehr zufrieden. Es macht es einem leicht, zu den ganzen Games, die man so installiert, auch die notwendigen Medien runterzuladen, damit das nachher in BigBox (das ist das Frontend, wo man nachher auswählt) alles gut aussieht.
Woher man die ganzen Spiele bekommt, dazu kann ich natürlich nichts sagen, weil ich selbstverständlich ausschließlich alte Arcade-Games auf meinem Arcade spiele, die ich selbst besitze und von denen ich ein Original-Abbild des ROMs gemacht habe…
Für die Guns kann man noch sehr viel Zusatzsoftware installieren, damit bspw. die Spiele (welche ja schon immer auch Output-Kanäle für diverse Arcade-Hardware haben) die Guns ansteuern können. Bspw. dass, wenn man einen Schuss abgibt, der Recoil genutzt wird oder der integrierte Rüttler-Motor. Hier kommt es sehr drauf an, welche Emulation man so benutzt, was kompatibel ist und was nicht. Hier ein paar Tools, die helfen können:
- Demulshooter (hilft beim Konfigurieren der Guns für verschiedene Emulatoren usw.)
- Hook of the Reaper (für Recoil-Ansteuerung usw.)
Bei Mame (also da, wo die ganzen alten Arcade-Games emuliert werden) war das Einrichten mit den Retroshooter Guns eigentlich relativ problemlos möglich und hat eigentlich sofort ordentlich funktioniert. Man muss die Spiele nur meistens einzeln kalibrieren. Schwieriger wird das bspw. bei Wii-Games usw.
Status & Fazit
Abgeschlossen. Das Arcade steht und spielt und schießt. Was will man mehr. Es macht einfach riesig Spaß, auf dem Ding zu zocken. Nicht nur Shooter-Games, auch die anderen Klassiker aus der Spielhalle machen einfach nach wie vor so viel Spaß… Die gute alte Zeit. Welcome Back :)
Hier noch 2 kleine Videos :)