Über den virtuellen Flipper
- Eigenbau-Gehäuse (Maße von einem Williams/Bally Widebody) (Nicht von mir gebaut, sondern übernommen)
- Entspiegelte Scheibe
- 43” 4K 144 Hz Spielfelddisplay (iiyama G-Master Red Eagle G4380UHSU)
- 32” Full-HD Backbox-Display (VIEWSONIC VX3276-MHD 32)
- 15,8” Full-HD Display für den Dotmatrix-Bereich (Ich wollte ein modernes Erscheinungsbild wie aktuelle Flipper)
- DMD-LCD-Display inkl. Blende (War dabei und könnte getauscht werden für den klassischen DMD-Look)
- Wavemaster Moody 2.1 Soundanlage (Nur Bassbox verwendet)
- Backbox-Lautsprecher VISATON DX 10
- Original Williams Coindoor
- Chrome Superset Flipperbeine inkl. Gehäuseschoner
- Analoger und digitaler Plunger
- 4 Flipperbuttons
- 4 Buttons zur Gamecontrol
- ATEC-Wischermotor
- Shaker
- 2x 144 LED-Streifen an den Seiten sowie 7x 8x8 LED-Matrix und Lautsprecherbeleuchtung (Alles adressierbar)
- 10x Siemens Schütz (4x Standard, 6x Strong)
- Pin Control 2 für die Toys
- 4x Lepy LP-838 + 4x Monacor AR-50 Körperschallwandler + 4x Sinus Live bassPump für SSF (Surround Sound Feedback)
- Mein alter Gaming-PC mit NVIDIA RTX 2070, einem AMD Ryzen 5 5600XT sowie 32 GB RAM
Es ist also quasi alles drin, was man so reinmachen kann, und das war auch echt ne Herausforderung!

Der VPIN, wie er heute aussieht.
Projektumfang
Kabinett
Am Kabinett musste wie gesagt nicht besonders viel gemacht werden, da mein Vorgänger hier schon sehr professionelle Arbeit geleistet hat. Ich habe weitere Bretter ins Kabinett eingebaut, um die ganzen Schütze dort montieren zu können, da ich an den Seiten Platz für SSF benötigt habe sowie einen Playfield-Halter.
Ursprünglich war der Flipper mit einem klassischen Dot-Matrix-Display (Allerdings als LCD) samt Blende ausgerüstet, aber ich wollte ein modernes 15,8” LCD einbauen. Hierfür musste ich selber eine Blende sägen, fräsen und lackieren sowie das Display einbauen.
In die Blende kam dann das 15,8” Display sowie Stern-ähnliche Lautsprecher-Blenden aus dem 3D-Drucker inkl. adressierbarer LED-Strips.

Kabinett mit ersten zusätzlichen Brettern für die Schütze und Toys

Stern-like Lautsprecher-Blende aus dem 3D-Drucker und adressierbarer Beleuchtung

Die Blende für die Lautsprecher und das 15,8-Zoll-Display
Elektronik
Für die Elektronik kamen zunächst folgende Schaltnetzteile zum Einsatz:
- 24-Volt-Schaltnetzteil für die Schütze
- 2x 12V für Toys und andere 12V-Komponenten (Sound usw. Deshalb auch zwei getrennte Stromkreise, um Interferenzen von den Toys wie Shaker zu vermeiden)
- 2x 5V für die adressierbaren LEDs – 5V-LEDs können sehr viel Strom ziehen, weshalb ich mich entschieden hab, die Last aufzuteilen
Hierfür habe ich eine Hutschiene im hinteren Teil des Kabinetts platziert und dort die einkommenden 230V mit Reihenklemmen Phase, Nullleiter und Erde aufgeteilt sowie zu einer Mehrfachsteckdose für die PC-Komponenten.
Selbstverständlich hat jedes metallische Teil im Flipper eine Verbindung zur Erde bekommen, wie Beine etc.
Hier gab es dann aber auch das erste Problem: Schaltnetzteile können beim initialen Einschalten extrem hohe Lastspitzen erzeugen, weshalb es bei mir regelmäßig die Sicherung in der Wohnung rausgehauen hat. Hierfür habe ich mir dann auf der Hutschiene ein Zeitverzögerungs-Relais und ein normales Last-Relais eingebaut, um einen Teil der Netzteile verzögert nach den anderen einzuschalten (Das Dirty 12V, ein 5V LED und ein 12V Netzteil). Dass das zeitverzögerte Relais das Last-Relais schaltet, welches wiederum dann die Netzteile einschaltet, hat den einfachen Grund, zu verhindern, dass das Zeitverzögerungs-Relais “festbackt”, falls ein Netzteil eine zu hohe Lastspitze erzeugt.
Die Verkabelung von den Netzteilen zu den jeweiligen Verbrauchern habe ich dann mit Sicherungshaltern für normale KFZ-Sicherungen ausgestattet und bin dann von dort weiter zu den eigentlichen Verbrauchern.
Die Verkabelung hat mich mit am meisten Zeit gekostet, da ich sämtliche Kabel selber konfektioniert und mit Kabelschuhen/Aderendhülsen ausgestattet habe, wie sich das gehört.

Schaltnetzteile und Stromverteilung 230V (Inkl. der angesprochenen Relais-Schaltung)

Verkabelung und erste Komponenten im vorderen Teil des Pins (Links an der Wand ist die Niedervolt-Unterverteilung (Masse) zu sehen)
Toys
Wie bereits erwähnt, wurden einige Toys im VPIN untergebracht, wie bspw.
10 Siemens Schütze mit 24V-Ansteuerung. Diese Schütze sollen das “Klackern” und Anziehen von Spulen in echten Flippern simulieren. Wie bei echten Spulen müssen auch die Schütze mit Dioden ausgestattet werden, damit es zu keiner Selbstinduktion nach dem Anziehen kommen kann. Im Endeffekt befinden sich in den Schützen auch nur Spulen, also Elektromagnete.
Ein Wischermotor wurde verbaut, welcher immer dann anspringt, wenn auf einem Flipper Motoren angesteuert werden würden. Der dreht dann sozusagen “ins Leere”, um einfach das Feeling (Geräusch und Vibration am Gehäuse) eines Motors zu simulieren.
Ein Shaker wurde eingebaut, um wie in echten Flippern das gesamte Gehäuse vibrieren zu lassen. Für den Shaker wurde auch ein Gehäuse 3D-gedruckt, damit keine Kabel sich in ihm verfangen können.
Zur Ansteuerung der Toys wird eine separate Platine benötigt, welche man über USB und Netzwerk mit dem PC verbinden muss. Hier gibt es verschiedene Möglichkeiten. Bei mir im VPIN ist ein Pincontrol 2 von vpin-shop verbaut.
Und zu guter Letzt wollte ich unbedingt SSF (Surround Sound Feedback) im Flipper haben. Hier werden sogenannte Körperschallwandler bzw. Basspumps jeweils vorne und hinten im Kabinett installiert. Diese werden wie Lautsprecher angesteuert, ihr Sinn besteht aber darin, Vibrationen ans Gehäuse zu übertragen. Software wie Visual Pinball X kann mit so einer Konfiguration (Man steuert dies praktisch über die 7.1-Ausgänge der Soundkarte) die Kugelläufe simulieren und es fühlt (und hört) sich so an, als ob eine echte Kugel über das Spielbrett läuft. Dies ist wirklich ein völlig verrückter Effekt und funktioniert erstaunlich gut! Man kann SSF in verschiedenen Konfigurationen einbauen. Ich habe mich für die Maximalvariante mit 4 Körperschallwandlern und 4 Basspumps entschieden.
Klassischerweise nimmt man zur Ansteuerung kleine 2.1 Verstärker aus China. In meinem Fall die beliebten und bewährten Lepy LP-838 von AliExpress ;)

Die 10 Siemens Schütze (Große für bspw. Bumper und kleinere für Flipper und Slingshots)

Der verbaute Shaker

Ein Körperschallwandler und zugehöriger Basspump

Hier sieht man die 4 Lepys zur Ansteuerung von SSF und die 4 Siemens Schütze für Flipper und Slingshots
Beleuchtung
Im Flipper wurden mehrere LED-Strips sowie eine LED-Matrix installiert. Insgesamt kommen wir somit auf 806 LEDs!!!
Die LED-Streifen geben dem ganzen Spiel einfach eine noch physischere Note, falls man das so nennen kann. Es macht einfach einen Riesenunterschied, wenn abseits des Bildschirms noch Dinge blitzen und blinken.
Die LEDs werden mit einem sogenannten Teensy angesteuert. Eine Platine, welche per USB an den Rechner angeschlossen wird und 2 Netzwerkausgänge hat. Die Netzwerkkabel werden jedoch dafür “missbraucht”, um über die mehreren verfügbaren Adern in so einem Netzwerkkabel das Steuersignal für adressierbare LED-Streifen zu übertragen.
In meinem Fall benötigte ich nur eine einzige Ader, da ich alle meine Streifen und die Matrix in Reihe hintereinander geschaltet habe (Nur das Steuersignal, die Strips wurden wie gesagt stromtechnisch auf 2 Stromkreise aufgeteilt wegen der Last).
Das Steuersignal läuft wie folgt:
- Beginnend vorne rechts, wenn man vor dem Flipper steht, in den ersten 144-LED-Strip nach hinten in Richtung Backbox.
- zur ersten Lautsprecherbeleuchtung rechts
- zur zweiten Lautsprecherbeleuchtung links
- dann rechts in die LED-Matrix und durch die 7 Matrix-Elemente
- und zum Schluss von hinten links nach vorne links den zweiten 144-LED-Strip wieder von Backbox nach vorne.
Das ergibt nachher mit Visual Pinball X wirklich tolle Effekte.
Für die Lautsprecherbeleuchtung habe ich hinter die Lautsprechergitter mit transparentem PLA ein feinmaschiges Mesh gedruckt, damit die LED-Strips dahinter das Gitter beleuchten und somit mehr oder weniger die gesamte Fläche leuchtet. Das sieht ziemlich cool aus.

Die Lautsprecherbeleuchtung mit Mesh

Teensy zum Ansteuern von adressierbaren LED-Strips

Bildausschnitt von der kompletten LED-Beleuchtung
Software
Als Softwareentwickler muss ich ja mittlerweile sagen, dass mich der Software-Part bei solchen Bauprojekten mittlerweile am meisten nervt. Holz- und Elektronikarbeiten sind meistens so schön “straight forward” und der Software-Part nervt nur noch… Aber naja…
Auf dem PC im Flipper läuft ein ganz normales Windows 10 (ja, Windows 10, weil meine alte Hardware leider kein Windows 11 unterstützt und ich es nicht eingesehen habe, hier nochmal ein neues Mainboard zu kaufen, nachdem ich bereits den Prozessor etwas aufgerüstet hatte, da der alte AMD Ryzen (1. Generation) dann doch etwas zu schwach für VPX in 4k gewesen wäre).
Ich habe dann Visual Pinball X inkl. Pinup Popper (Das ist das lustige “Auswahl-Menü”, wo man seine Flipper dann auswählen kann, bevor man sie startet) installiert und die ersten Flipper aus dem Internet heruntergeladen und installiert. Wenn man dann die Flipper startet, muss man noch einen Haufen Zeugs einstellen, wie Winkel usw. Ist auch logisch, da ja nicht jeder VPIN exakt so gebaut wird wie meiner. SSF muss man einstellen usw. Ich will hier eigentlich keine genaue Anleitung dafür schreiben, da es im Internet genügend Informationen zum Einrichten von VPX, SSF, usw. gibt. Außerdem kann ich aus Erfahrung heraus sagen, dass auch aktuelle Large Language Models wie ChatGPT oder Gemini oder Claude hier doch ziemlich genau wissen, was zu tun ist und bei Problemen sehr gut helfen können. Ich spreche aus Erfahrung.
Ich glaube, das Installieren und Einrichten von Flippern ist mitunter die größte Arbeit, wenn man so einen VPIN dann mal gebaut hat. Falls hier jemand genauere Infos haben will, darf mich natürlich gerne jederzeit kontaktieren.
Status & Fazit
Abgeschlossen. Wobei es hier theoretisch wahrscheinlich auch immer noch was zu tun geben würde. Kabelmanagement verbessern, Blenden für die LEDs einbauen oder Decals am Gehäuse anbringen etc.
Mein Fazit ist allerdings: Ich spiele mit dem Ding nicht. Das Spielen macht Spaß und es kommt einem echten Flipper nahe, aber es ist einfach kein echter Flipper und ich bevorzuge dann doch die echten Geräte, aber das Bauen des VPINs hat eine Menge Spaß gemacht und ich konnte wieder mal viel dabei lernen.
Wenn ihr selber einen VPIN bauen möchtet und Fragen habt, meldet euch gerne bei mir und ich versuche so gut es geht zu helfen.
Hier noch ein Video: